Designgeschichte · Tischkultur

Die Geschichte von Gluckigluck und dem Gluggle Jug

Auf den ersten Blick ist er ein ungewöhnlicher Keramikkrug in Form eines Fisches. Auf den zweiten Blick ein Stück britischer Designgeschichte. Und spätestens beim Einschenken wird klar, weshalb der Gluggle Jug seit Generationen Menschen zum Lächeln bringt.

Denn der Krug kann etwas, das gewöhnliche Karaffen nicht können: Er gluckst.

Das charakteristische Geräusch entsteht, wenn beim Ausschenken Luft durch den speziell geformten Hohlraum im Inneren des Kruges strömt. Aus einem alltäglichen Handgriff wird dadurch ein kleiner Überraschungsmoment – und aus einem Wasserkrug ein Designobjekt mit Persönlichkeit.

In England ist der Fischkrug als Gluggle Jug bekannt. Im deutschsprachigen Raum wurde er unter dem Namen Gluckigluck zum Designliebling. Hinter beiden Namen steckt dasselbe Original: ein funktionaler Keramikkrug, dessen Form, Klang und Geschichte ihn unverwechselbar machen.


Die Anfänge

Wie der glucksende Fischkrug entstand

Die Geschichte des Gluggle Jug reicht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Frühe glucksende Wasserkrüge wurden in den späten 1870er-Jahren vom britischen Keramikunternehmen Thomas Forester & Sons gefertigt.

Das Unternehmen war in Staffordshire ansässig, einer Region, die eng mit der Geschichte der englischen Keramikindustrie verbunden ist. Thomas Forester & Sons war unter anderem für dekorative Majolika bekannt: glasierte Keramik mit kräftigen Farben, plastischen Formen und Motiven aus der Tier- und Pflanzenwelt.

Ein Krug in Form eines aufrecht stehenden Fisches passte perfekt in diese Tradition. Der offene Fischmund diente als Ausguss, der Körper als Gefäss und der gebogene Schwanz als Griff.

Die besondere Innenform hatte jedoch nicht nur einen dekorativen Zweck. Beim Ausschenken konnte Luft nicht gleichmässig in das Gefäss zurückströmen. Flüssigkeit und Luft wechselten sich ab – und erzeugten dabei das unverwechselbare Glucksen.


Die ikonische Fischform

Dartmouth Pottery macht den Krug zum Designklassiker

Obwohl die ersten glucksenden Krüge bereits im 19. Jahrhundert entstanden, wird die heute bekannte Fischform vor allem mit Dartmouth Pottery in Verbindung gebracht.

Die englische Keramikmanufaktur prägte die charakteristische Gestaltung des Gluggle Jug: den aufrechten Fischkörper, die modellierten Schuppen, die seitlichen Flossen, den geöffneten Mund und den geschwungenen Schwanz, der gleichzeitig als Griff dient.

Dartmouth Pottery fertigte den Fischkrug in verschiedenen Grössen und Glasuren. Die Form war dekorativ und humorvoll, gleichzeitig aber vollständig funktional. Sie konnte Wasser und andere Getränke servieren und war dennoch auffällig genug, um auch ohne Inhalt als Wohnobjekt zu funktionieren.

Der Krug wurde passend zu seiner Besonderheit als „A jug that gurgles“ bekannt – als ein Krug, der beim Ausschenken gluckst. Das Geräusch wurde zu seinem Erkennungsmerkmal und aus dem ungewöhnlichen Haushaltsgegenstand entwickelte sich nach und nach ein begehrtes Sammlerstück.


Ein königlicher Moment

Der Gluggle Jug und Queen Elizabeth II

Einen besonderen Moment in der Geschichte des Gluggle Jug gab es am 28. Juli 1958. Anlässlich eines Besuchs von Queen Elizabeth II und Prinz Philip am Britannia Royal Naval College in Dartmouth wurde ein eigens angefertigtes Paar Fischkrüge überreicht.

Die Krüge waren grün glasiert und mit den königlichen Insignien sowie dem Datum des Besuchs versehen. Das königliche Geschenk trug dazu bei, den Fischkrug über die Region hinaus bekannt zu machen. Der Gluggle Jug wurde zunehmend als typisch britisches Designobjekt wahrgenommen.

„Vom Keramikatelier bis zur britischen Königsfamilie: Der Gluggle Jug blickt auf eine aussergewöhnliche Reise zurück."

Woher kommt das Glucksen?

Das Geheimnis hinter dem berühmten Glug-Glug

Das Geräusch des Gluggle Jug entsteht ohne Mechanismus, Elektronik oder bewegliche Teile. Verantwortlich ist allein die besondere Form des Kruges.

Beim Ausschenken fliesst die Flüssigkeit durch den geöffneten Fischmund nach aussen. Gleichzeitig muss Luft in das Gefäss zurückströmen. Durch den schmalen Hals und den Hohlraum im Fischkörper kann diese Luft nicht kontinuierlich eintreten.

Stattdessen wechseln sich Flüssigkeit und Luft rhythmisch ab. Dadurch entsteht das typische Glucksen. Besonders deutlich ist das Geräusch zu hören, wenn der Krug ausreichend gefüllt und langsam geneigt wird. 


Die moderne Geschichte

Wie Sophie Mahlo den Gluggle Jug neu bekannt machte

Die moderne Erfolgsgeschichte des Gluggle Jug beginnt 2011 bei einem Brunch in Berlin. Dort begegnete die damalige Anwältin Sophie Mahlo erstmals dem ungewöhnlichen Fischkrug. Als sie selbst nach einem Exemplar suchte, stellte sie fest, dass das britische Kultobjekt in Deutschland kaum erhältlich und selbst in England online nur schwer zu finden war.

Aus dieser Entdeckung entstand eine Geschäftsidee. Mahlo nahm Kontakt zum damaligen Hersteller Wade Ceramics auf und begann, den Gluggle Jug zunächst in Deutschland und später auch in weiteren europäischen Ländern zu vertreiben. Unter dem Namen Gluckigluck erhielt das britische Original eine neue Identität für den deutschsprachigen Markt und entwickelte sich vom Nebenprojekt zur erfolgreichen Designmarke.

Im Sommer 2022 gab Mahlo ihre Tätigkeit als Anwältin auf, um sich vollständig auf das Unternehmen zu konzentrieren. Nur wenige Monate später wurde Wade Ceramics insolvent und die Zukunft des originalen Gluggle Jug stand infrage. Gemeinsam mit ihrem Bruder übernahm Mahlo das Geschäft rund um den Fischkrug und führte die Produktion unter dem Namen The Gluggle Jug Factory weiter.

Auch ehemalige Mitarbeitende wurden zurückgeholt, sodass die Giessformen, das Produktionswissen und die Herstellung in Stoke-on-Trent erhalten blieben. Damit wurde nicht nur die Zukunft von Gluckigluck gesichert, sondern auch ein Stück britischer Design- und Keramikgeschichte bewahrt.


Gluggle Jug oder Gluckigluck?

Zwei Namen, eine Designikone

Gluggle Jug ist der traditionelle englische Name des glucksenden Fischkruges. Das Wort „glug“ beschreibt im Englischen das Geräusch, das beim Ausschenken einer Flüssigkeit entsteht.

Auch Bezeichnungen wie Glug Jug, Gurgle Jug oder Gurgling Fish Jug werden gelegentlich verwendet.

Gluckigluck ist der deutsche Name des Originals und zugleich die Marke, unter der Sophie Mahlo den Fischkrug im deutschsprachigen Raum und in weiteren europäischen Ländern bekannt gemacht hat.

Der Name überträgt das Geräusch spielerisch ins Deutsche: glucki, gluck.

Gluckigluck und The Gluggle Jug Factory stehen heute für zwei Seiten derselben Geschichte. Die Berliner Marke entwickelte den europäischen Vertrieb und machte den Krug zum modernen Designobjekt. Die englische Fabrik bewahrt die Formen, das Produktionswissen und die keramische Tradition des Originals.


Mehr als eine Karaffe

Warum der Gluggle Jug bis heute begeistert

Ein Designklassiker mit Humor

Der Gluggle Jug verbindet britische Keramiktradition mit einer unerwartet humorvollen Funktion. Seine Fischform ist skulptural und detailreich, während das Glucksen jeden Ausschenkmoment ein wenig weniger ernst macht.

Eine Karaffe, die Gespräche auslöst

Wer das Geräusch zum ersten Mal hört, reagiert fast immer darauf. Auf dem Esstisch wird der Krug schnell zum Gesprächsthema – beim Abendessen genauso wie beim Sonntagsbrunch oder beim Apéro.

Funktional und dekorativ

Der Gluggle Jug kann Wasser oder andere Getränke servieren. Gleichzeitig lässt er sich als Vase, Küchenutensilienhalter oder eigenständiges Designobjekt verwenden.

Ein Geschenk mit einer echten Geschichte

Der Fischkrug ist mehr als ein beliebiges Wohnaccessoire. Seine Geschichte reicht vom viktorianischen England über die britische Königsfamilie bis zur Rettung einer traditionsreichen Keramikproduktion. Das macht ihn zu einem besonderen Hochzeits-, Geburtstags- oder Einzugsgeschenk.


Der Design-Hype

Warum der Fisch heute wieder überall zu sehen ist

Mehr als 150 Jahre nach seiner Entstehung erlebt der Gluggle Jug eine neue Popularität. Der Krug erscheint in Interior-Magazinen, auf farbenfroh gedeckten Tischen und in den Wohnungen von Designliebhabern.

Ein Grund dafür ist seine ungewöhnliche Mischung aus Tradition und Gegenwart. Die Grundform ist historisch, wirkt in modernen Farben aber überraschend aktuell. Der Fisch kann nostalgisch, humorvoll, minimalistisch oder beinahe poppig inszeniert werden.

Auch sein Wiedererkennungswert spielt eine Rolle. In einer Welt voller austauschbarer Wohnaccessoires besitzt der Gluggle Jug eine klare Persönlichkeit. Man erkennt ihn sofort – an seinem geöffneten Mund, dem gebogenen Schwanz und natürlich an seinem Klang.


Das Original erkennen

Woran du einen originalen Gluggle Jug erkennst

Der Erfolg der Fischkaraffe hat zahlreiche ähnliche Produkte hervorgebracht. Nicht jeder Keramikfisch ist jedoch ein originaler Gluggle Jug.

Beim Original ist der Name „Gluggle Jug“ in den Boden eingeprägt. Die traditionelle Form besitzt detaillierte Schuppen, modellierte Flossen, einen geöffneten Mund und einen Schwanz, der als stabiler Griff dient.

Entscheidend ist ausserdem die Funktion: Der Originalkrug ist für das Servieren von Getränken vorgesehen und erzeugt beim Ausschenken sein charakteristisches Glucksen.

Bei anderen Fischkrügen können Material, Lebensmittelverträglichkeit, Verarbeitung und Klang abweichen. Wer eine ähnliche Karaffe kaufen möchte, sollte deshalb prüfen, ob das Produkt ausdrücklich für Getränke geeignet ist.

Wer die originale Form, die britische Herstellung und die Geschichte hinter dem Krug sucht, sollte auf die Bodenprägung und die Bezeichnung Original Gluggle Jug achten.


Farben des Originals

Eine historische Form in modernen Glasuren

Ein wesentlicher Teil des heutigen Erfolgs liegt in der grossen Auswahl an Farben. Die charakteristische Fischform bleibt bestehen, während unterschiedliche Glasuren dem Krug einen völlig neuen Ausdruck verleihen.

Zurückhaltende Farbtöne lassen ihn wie ein klassisches Keramikobjekt wirken. Leuchtende Varianten betonen dagegen seine humorvolle und beinahe popkulturelle Seite.

Dadurch passt der Gluggle Jug sowohl in minimalistische Küchen als auch auf farbenfroh gedeckte Tische.

Eau de Nil Sage Mushroom Cream Pale Blue Cobalt Blue Teal Baby Pink Lilac Yellow Orange Red Black

Auch als Vase lässt sich der Krug immer wieder neu inszenieren: im Frühling mit Tulpen, im Sommer mit Wiesenblumen, im Herbst mit Zweigen oder im Winter mit Tannengrün.


So verwendest du den Gluggle Jug

Drei Ideen für den Designklassiker

01

Als Karaffe auf dem Esstisch
Fülle den Krug mit Wasser und giesse langsam ein. Je nach Füllstand und Geschwindigkeit entsteht das charakteristische Glucksen.

02

Als aussergewöhnliche Vase
Der geöffnete Fischmund eignet sich für Tulpen, einzelne Zweige, Wiesenblumen oder locker arrangierte Sträusse. Durch seine starke Form funktioniert der Krug sowohl mit üppigen Blumen als auch mit einzelnen Stielen.

03

Als Designobjekt oder Utensilienhalter
Auch ohne Inhalt ist der Gluggle Jug ein skulpturales Wohnaccessoire. In der Küche kann er zudem Kochlöffel und andere Utensilien aufnehmen.


Häufige Fragen

FAQ: Gluggle Jug und Gluckigluck

Was ist ein Gluggle Jug?

Ein Gluggle Jug ist ein Keramikkrug in Form eines aufrecht stehenden Fisches. Durch seine spezielle Innenform erzeugt er beim Ausschenken ein charakteristisches Glucksen. Er kann als Wasserkrug, Karaffe, Vase oder Designobjekt verwendet werden.

Warum gluckst der Gluggle Jug?

Beim Ausschenken fliesst Flüssigkeit aus dem Fischmund, während gleichzeitig Luft in den Krug zurückströmen muss. Durch den schmalen Hals und den Hohlraum im Inneren wechseln sich Luft und Flüssigkeit ab. Dadurch entsteht das typische rhythmische Glucksen.

Wann wurde der Gluggle Jug erfunden?

Die ersten glucksenden Wasserkrüge wurden in den späten 1870er-Jahren vom britischen Unternehmen Thomas Forester & Sons hergestellt. Die heute bekannte Fischform wird besonders mit Dartmouth Pottery in Verbindung gebracht.

Was ist der Unterschied zwischen Gluggle Jug und Gluckigluck?

Gluggle Jug ist der traditionelle englische Name des Fischkruges. Gluckigluck ist der deutsche Name des Originals und zugleich die von Sophie Mahlo aufgebaute Marke, unter der der Krug in Deutschland und weiteren europäischen Ländern bekannt wurde.

Was hat der Gluggle Jug mit Queen Elizabeth II zu tun?

Am 28. Juli 1958 wurde ein besonderes Paar grün glasierter Fischkrüge für Queen Elizabeth II und Prinz Philip angefertigt. Die Krüge wurden ihnen bei einem Besuch des Britannia Royal Naval College in Dartmouth überreicht.

Wird der originale Gluggle Jug noch in England hergestellt?

Ja. Der originale Gluggle Jug wird von The Gluggle Jug Factory in Stoke-on-Trent gefertigt. Die Fabrik übernahm unter anderem die Formen, Geräte und Mitarbeitenden der früheren Produktion von Wade Ceramics.

Wie erkenne ich einen originalen Gluggle Jug?

Beim Original ist der Name „Gluggle Jug“ in den Boden eingeprägt. Zudem ist der Krug für Getränke geeignet und erzeugt beim Ausschenken das typische Glucksen.

Kann man den Gluggle Jug als Vase verwenden?

Ja. Der geöffnete Fischmund eignet sich hervorragend für Blumen, Zweige und Gräser. Durch seine skulpturale Form wirkt der Gluggle Jug auch ohne Blumen als eigenständiges Designobjekt.

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Jenny Albrecht